Input-Split:
Neue Wohnort–Strategien sind gefragt

Das Bevölkerungswachstum erwies sich in den letzten zwei Jahrzehnten insbesondere an den Orten als Selbstläufer, wo die Mobilitätsanbindung hoch ist. Die Standortpromotoren von Städten und Gemeinden sowie die Vermarkter von Wohnungen wurden nicht müde, die hervorragenden Verkehrsanbindungen anzupreisen. Nicht das Ankommen an einem neuen Ort war wichtig, was zählte war einzig und allein der Umstand, wie einfach und wie schnell man den Wohnstandort wieder verlässt. Wohnen ist überflüssig, eine Schlafstätte genügt. Dabei sollten Standorte für einen Wohnort doch eigentlich auf das Bleiben ausgerichtet sein. Das Engagement, die Identifikation, der Freizeitwert eines Wohnstandortes sollten im Zentrum stehen.

Ausgerechnet die Corona-Krise zeigt uns jetzt den Weg dahin. Corona und die damit verbundene Veränderung in der Arbeitswelt stellt sich als Treiber für die Aufwertung des Wohnortes heraus. Der Büroalltag findet vermehrt auch zu Hause statt. Und das wird sich so schnell nicht wieder ändern, eine vollständige Rückkehr ins Büro wird es auch nach Corona nicht mehr geben. In Zukunft wird die Unternehmensgestaltung vom hybriden Büro geprägt sein, eine Mischung aus Arbeit zu Hause und Präsenz im Büro. Und damit werden neue Standards für das Wohnen erforderlich. Einer davon betrifft die Zentrumsattraktivität von Städten und Gemeinden. Sie müssen stark zulegen, bis sie in der Lage sein werden, ihre gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedürfnisse bedienen können.

Input-Split:
Resilienz urbaner Gebiete

„Es werden Pandemien folgen, die noch gefährlicher sind“, sagt der Präsident von Lonza, Albert Baehny (Blick, 25. Januar, 2021). Ob er recht behalten wird, weiss keiner. Was man aber wissen sollte, ist, dass es schnell das Richtige zu tun gilt, wenn Schockereignisse auftreten. Davon betroffen sind unsere Leistungsträger der Binnenwirtschaft: Die urbanen Gebiete. Die Lösung? Urbane Gebiete sollen sich nach Aspekten der Resilienz ausrichten. „Resilienz“ ist die Fähigkeit eines Systems, nach Störungen baldmöglichst wieder in den ursprünglichen Zustand zurückzukehren. Für die urbanen Gebiete reicht das längst nicht mehr, vielmehr müssen sie ihre Ausrichtung grundlegend ändern. Das betrifft Hunderttausende Immobilienbesitzer, Versorgungsanbieter und Publikumsdienstleister und Firmen vielfältigster Art. Die öffentliche Verwaltung mit all ihren Abteilungen müsste ebenfalls mit eingebunden sein.

Bei diesen hohen Anforderungen kann einem angst und bange werden. Heute erweist sich bereits ein Bauvorhaben mit mehr als zwei involvierten Eigentümern als kaum umsetzbar (siehe IRAP-Kompass Innenentwicklung, Andreas Schneider). Das sind schlechte Voraussetzungen für die dringend notwenige Transformation.

Input-Split:
Die urbane Kontaktwirtschaft wird fehlen

Die Corona-Krise führte zu einer massiven Abnahme von persönlichen Kontakten. Insbesondere betroffen ist davon die Kontaktwirtschaft mit urbanen Standorten. Wenn Kontakte aber erschwert oder gar unmöglich sind, werden Non Food-Güter nicht mehr stationär eingekauft.

So ist beispielsweise Fashion ein wichtiger Teil der Kontakt- und der Kreativwirtschaft. Bekleidung, Schuhe, Taschen und Accessoires sind hoch emotional, tragen am meisten zum Flanier- Einkaufserlebnis bei und sind damit die wichtigste Angebotsgruppe der urbanen Gebiete. Vieles davon verlagert sich nun ins Internet. Mode ist der wichtigste und beliebteste Umsatzträger im Online-Verkauf. Wer dort nicht bereits Kunde war, wurde es Pandemie-bedingt.

Corona ist der Treiber zum Online-Einkauf, speziell im Bereich Bekleidung. Die Post meldet Rekordstückzahlen an Einkaufs-Paketen. Die Zahl der Mitarbeitenden im weltweit grössten Versandhändler «Amazon» nimmt um 2800 Personen zu, pro Tag, und das bereits seit Juni 2020. Zum Jahresende 2020 arbeiteten insgesamt 1,2 Mio. Mitarbeitende für den Versandhändler.

Wir müssen uns warm anziehen, wenn immer möglich stationär eingekauft. Eisig kalt wird es einem, wenn man die Programme zur Stärkung der urbanen Gebiete sucht, man findet sie nicht. Kritik zur Perspektivenlosigkeit? Fehlanzeige! Die urbanen Gebiete schauen tatenlos zu, wie sich der stationäre Handel zu den grossen Online-Anbietern verlagert.

Input 20-23: SmartCity – Weg in die urbane Zukunft

Schweizer Städte sollen mit geringem Aufwand eine hohe Effizienz und Attraktivität aufweisen. «SmartCity» zeigt den Weg dazu auf. «City» steht für das gesamte Stadtgebiet und somit für die Stadt, «Smart», also intelligent, steht für das Potential der Technologie und der Menschen.

Die «smarte» Stadt ist innovativ, leistungs- und ressourceneffizient sowie lebens- und arbeitswert. Der Erfolg der intelligenten Stadt misst sich an der Veränderungsfähigkeit. Sie ermöglicht, die sich wandelnden Bedürfnissen von Gesellschaft und Wirtschaft zu bedienen und Antworten für störende Ereignisse zu finden. Dazu notwendig ist eine Transformation. Diese wiederum erfordert, dass Entwicklungen aus gesamtheitlicher Sicht, technologiebasiert und unter Einbezug aller relevanten Akteure zu meistern sind. SmartCity-Erfolge lassen sich messen. Sie zielen darauf aus, Städte effizienter, technologisch fortschrittlich, grüner und mit sozialer Inklusion zu gestalten. Die arbeitswerte Stadt misst sich an einer privaten sowie sozialen Wirtschaft mit Perspektiven. Ein weiterer Massstab ist die Wertschöpfung und die Produktivität, die neuen lokalen Wertschöpfungsketten, die Flexibilität der Arbeitsstätten, die Kreativität und die Innovationskraft sowie das Nutzen der Sharing-Economie. Die lebenswerte Stadt verfügt über ein bedürfnisgerechtes Wohnangebot, das sich an der Zufriedenheit, dem Sozialstatus und am lokal erbrachten Engagement der Wohnenden misst.

Die be- und gelebte Stadt misst sich an der Bewegungsintensität und der Anwesenheitspräsenz der Arbeitenden und Wohnenden. Dazu tragen zirkulationsattraktive und sichere Aussenräume bei Tag und bei Nacht sowie Service-Angebote bei, die die lokalen Bedürfnisse bedienen.

Die Nachhaltigkeit zeigt sich in der Ressourcen-Effizienz. Das ausschlaggebende Mass ist die lokale Ressourcen-Gewinnung und die Ressourcen-Einsparung. Betroffen sind die Energie-, die Flächen- und Raumnutzung und die Infrastrukturen. Die Mobilitätsintelligenz für den bewegten und ruhenden Verkehr zeigt sich an einer sauberen und effizienten Mobilität von Menschen und Gütern.

Die Kosteneffizienz zeigt sich in der sinnrichtigen räumlichen Disposition und der Effizienz für den Unterhalt und die Erneuerungen von Bauten, Aussenräume, Nutzung und Infrastruktur. Die SmartCity nutzt die Technologien, sie vernetzt Daten-, Informations- und Kommunikationssysteme in Gebäuden, Arealen, Aussenräumen und Städten. Und sie vernetzt Menschen.

Ein Vernetzungssystem und eine intelligente Prozess-Struktur ist der eigentliche Schlüsselfaktor zum Erfolg. Erst damit entfalten sich die Potentiale der SmartCity und ermöglichen ein kooperatives Beziehungsgeflecht und die andauernde Interaktion zwischen allen Akteuren.

Input 20-20: Corona – die Immobilien-Wirtschaft setzt Zeichen

„Das Parlament blamiert sich im Streit mit Mieten“, so lautet eine Schlagzeile in der NZZ vom 7. Mai 2020. Der National- und Ständerat fordert zwar rasche Hilfe für leidende Betriebe. Doch die 100’000 Leidenden, 60’000 davon haben ihren Standort in Zentrumsgebieten, sollen sich noch etwas gedulden. Die Sitzungsagenda des Parlaments gibt den Zeitplan vor. Erst im Juni soll es soweit sein.

Die Immobilien-Wirtschaft hat derweil längst Lösungen gefunden. 
Deren BranchenvertreterInnen erkennen die Notwendigkeit und reagieren mit einem Kostenerlass.Denn weder eine Stundung noch ein Kredit löst das Problem der Mieter. Das Parlament lässt sich Zeit, die Branche handelt. So erlässt die Swiss Prime Site Kleinbetrieben mit einer Jahresmiete von bis zu CHF 60’000.- die Miete für zwei Monate und übernimmt damit den Vorschlag des Verbands Immobilien Schweiz. Die Swiss Life gewährt Kleinbetrieben auf Gesuch hin den Mietzins temporär, Migros verzichtet auf die Hälfte des Mietzinses für zwei Monate. Die Städte Zürich und Basel-Stadt erlassen Geschäftsmieten gar ganz. Und das sind nur ein paar gute Beispiele. Viele Vermieter reagieren inzwischen nach ähnlichen Modellen. Ein zweckgebundener Kostenerlass wird von den Betroffenen hoch geschätzt und ist in jeder Hinsicht fair.

Es dürften sich aber noch viel mehr Vermieter an diesen Vorbildern orientieren. Jeder Fall habe seine eigene Geschichte, wird von gewissen Kreisen argumentiert (siehe IP20-19). Aber wenn 100’000 Geschäfte zu zwei Monaten Zwangsschliessung gezwungen werden, sollten eigentlich genügend Gemeinsamkeiten gegeben sein, die einen einheitlichen Verhaltens-Rahmen rechtfertigen. Das Modell des Verbands Schweizer Immobilien kann ausgedehnt werden. Unterschiedliche Kostenanteile Mieter/Vermieter für Jahresmieten zwischen CHF 60’000.-  und CHF 250 000.- wären ein guter Ansatz. Damit sind alle Geschäfte bis zu einem Umsatz von CHF 2 Millionen erfasst, das entspricht der grossen Mehrheit. Für den Rest bleiben individuelle Vereinbarungen.

Auch ohne Corona-Ereignis zeigte sich schon längst, dass sich die Rollen zwischen Vermietern und Mietern ändern müssen. Gemeinsam können und müssen sie die Aufwertung der Standortgebiete beeinflussen. Lösungen auf Marktveränderungen und Störung sollen sie gemeinsam und aufeinander abgestimmt entwickeln. Der Erfolg für ein gemeinsames Handeln liegt auf der Hand: Mieter erhöhen ihren Geschäftserfolg, Vermieter ihre Rendite.

Notwendig dafür ist eine Prozess-Steuerung. Man stelle sich vor, alle Besitzerschaften von Immobilien in urbanen Gebieten sind auf einer digitalen „Arbeits- und Management-Plattform“ vernetzt, erhalten zeitgleich den relevanten Wissenszugang und handeln abgestützt auf Fakten. Mit der neuen Form eines UrbanMangements wäre das heute bereits möglich. Dank dem Tool könnten, basierend auf Kooperation, bestmögliche Ergebnisse mit hohen Erträgen bei tiefen Koste erzielt werden. Bei den Mietern sind es die Umsätze, bei den Vermietern die Erträge, die Wertschöpfung steigt für beide. Nur eines bleibt tief, nämlich der Betrieb der digitalen Urban Management-Plattform (siehe Swiss-Engine, UrbanTools). 

Input 20-16: Verwaltung, Management und Kooperation – Die neue Herausforderung der Städte

Städte sind grossen Transformationsprozessen ausgesetzt. Global sind sie die grösseren Treiber als die Nationen. In der Schweiz stehen sie vor der Herausforderung, mit kleiner Masse eine hohe Anziehung zu erreichen. Gemessen an der Vergangenheit müssen sie verstärkt die sich wandelnden Bedürfnisse von Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt bedienen. Und sie müssen Digital affin werden. Gesamthaft erfordert das eine steigende Effizienz in allen Handlungsfeldern.
Dass Städte effizienter werden sollen, war bereits in den 80er Jahre des letzten Jahrhunderts bekannt. Neue Stadtphilosophien wurden gefordert, das Stadtmanagement ins Spiel gebracht. Angekommen ist die Botschaft nicht.
 
Aber jetzt soll alles anders werden. Die Notwendigkeit für Veränderungen ist zu offensichtlich. Und die Möglichkeit, Daten und Prozesse technologiebasiert zu gestalten, ist ein Teil der Lösung. Smart City, die Intelligente Stadt, wird offeriert. Sie ist das Label für die Zukunftsfähigkeit der Stadt. 
Smart City, ein Begriff und ein Wortspiel, das verunsichert. City ist aus globaler Sicht die Stadt. Im Schweizer Sprachgebrauch steht die City als Stadt-Zentrum. Die City von Zürich ist die Innenstadt, nicht die Stadt Zürich in ihrer Gesamtheit.
Smart steht für intelligent und meint damit die lernenden, technologiebasierten Systeme. Digitale Intelligenz schliesst den Menschen nicht aus. Sie verlangt ein intelligentes Handeln der gesamten Stadtgesellschaft.
Die smarte Stadt, deren digitale Welt, ist mehrschichtig. Das passt ganz und gar nicht mit der Realität überein. Denn Bund, Städte und Gemeinden sind strikt sach- und themenorientiert. Für ämterübergreifendes Handeln gibt es keinen Platz.
Die smarte Stadt zählt auf die Wirtschaft und die Gesellschaft. Sie sollen ihren Teil einbringen. Auch das passt nicht mit der Realität zusammen. Denn wir vertrauen immer noch auf Reglementierung und monetäre Anreize.
Die gelebte smarte City verlangt einen Strukturwandel. Verwalten genügt nicht mehr, entscheidend wird das Management von Prozessen und eine kooperative Haltung aller Akteure sein.
Das bedeutet einen Verhaltens-, Wissens- und Kulturwandel von ungeahnter Tragweite. Dieser Wandel ist die grosse Schweizer Herausforderung. Der Kunstbegriff Smart City ist wie ein Überraschungs-Ei: Man weiss nicht, was dabei herauskommt.

Input 20-15: Aussenräume werden zum Erfolgsfaktor urbaner Gebiete

Am 9. Februar 2020 entscheidet der Kanton Zürich über ein kombiniertes Verkehrsprojekt im Quartier Wipkingen. Die Rosengartenstrasse soll mit einem Strassentunnel entlastet werden und eine neue Tramverbindung ermöglichen. Der Individualverkehr soll dadurch nicht ansteigen, aber flüssiger werden. Aus heutiger Sicht betragen die Kosten CHF 1,1 Milliarden, die Planungs- und Bauzeit beträgt rund 15 Jahre. Die Befürworter pochen auf eine  Aufwertung des Stadtraums. Je nach Aussage betrifft die Massnahme 700 oder 1300 Meter.

Die Stadt Zürich hat insgesamt 230 km Strassen mit einem Lärmpegel, der über dem Immissionsgrenzwert liegt! Soviel Geld weckt Begehrlichkeiten, damit lässt sich viel bewirken. Stellen wir uns vor, der Stadt Zürich stünden CHF 1,1 Milliarden für ein Aufwertungsprogramm zur Verfügung, dank dem in fünfzehn Jahren ein spürbarer Mehrwert für möglichst viele Bewohner, auch Arbeitstätige, ermöglicht würde.

Gehen wir mal davon aus, dass dieses Aufwertungsprogramm auf die Aussenräume setzt. Wo immer möglich, sollen private und öffentliche Aussenräume attraktiver werden. Aufgewertet wird dort, wo die privaten Immobilieneigentümer am Kostenteiler zu gleichen Teilen partizipieren. Somit verdoppeln sich die Investitionen auf CHF 2,2 Milliarden. Das sind rund 5000 Franken pro EinwohnerIn.

Stellen wir uns weiter vor, dass, anders als es in der Regel der Fall ist, andere Schweizer Städte mit Zürich mitziehen würden. Viele Städte setzten die gleichen Beträge ein, immer gemessen an der Einwohnerzahl. Das ergäbe z.B. für die Stadt Winterthur CHF 550 Millionen, für Luzern CHF 460 Millionen, für St. Gallen 380 Millionen, für Frauenfeld CHF 320 Millionen, für Biel CHF 275 Millionen, für Thun und Köniz je CHF 210 Millionen, für Chur, Schaffhausen und Uster je CHF 170 Millionen, für Zug CHF 150 Millionen, für Aarau und Wettingen je CHF 105 Millionen, für Glarus Nord, Reinach/BS, Schlieren, Solothurn und Thalwil je zwischen CHF 80 bis CHF 100 Millionen, für Burgdorf, Herisau, Horw und Schwyz je zwischen CHF 60 bis CHF 80 Millionen, für Davos und Sursee je zwischen CHF 50 bis 60 Millionen sowie für Huttwil CHF 24 Millionen.

Die besten Köpfe und Firmen mit vielen Kompetenzen würden in die Projekte eingebunden. Mit Leistungsbereitschaft und Kreativität würden die Aussenräume zum Erfolgsfaktor: identitätsprägend, nutzungsflexibel, leistungsstark, ressourcen- und funktionseffizient, natur- und klimagerecht. Viel Mehrwert für viele Menschen. Willkommen in der urbanen Schweiz im Jahr 2035!

Kommen wir zurück in die Realität des Jahres 2020.

Wie das Zürcher Stimmvolk über die CHF 1,1 Milliarden für den ganzen Rosengarten-Tunnel abstimmt, zeigt sich am Abstimmungssonntag.

Sicher ist nur eines: Die Abstimmung wird stattfinden.