Input 20-21: Die Corona-Krise und die Lehren für die Wirtschaft

Mitte März waren rund 100 000 Geschäfte, Praxen und Betriebe mit Publikumsverkehr aus dem Detailhandel, der Gastronomie, der persönlichen Dienste, sowie der Veranstaltungsbranche und Kultur, wegen des Corona-Shutdowns von heute auf morgen gezwungen, ihre Betriebe zu schliessen. Das ist eine dramatische Situation. Was aber trotz der prekären Lage erstaunte, ist, dass die ersten Geschäftsbetreiber ihren Liquiditätsengpass bereits innerhalb von wenigen Tagen verkündeten.

Blenden wir zwanzig Jahre zurück. Bereits damals war es nicht besser. Tausende durch die InterUrban befragten Betriebe aus dem Detailhandel und der Gastronomie klagten, dass viele kaum Gewinne und ein lediglich zu geringes Lohnniveau erzielten. Wohlverstanden, das betraf die «guten Jahre» mit laufend steigender Nachfrage. Seit 2015 hat sich die Situation verschärft, die Kosten haben sich erhöht und die Umsätze sind gesunken. Das gilt in hohem Masse für den Detailhandel, in geringerem Masse für die Gastronomie.

Die heutige Situation zeigt Michael Schoenenberger, Leiter NZZ Inlandredaktion, in der NZZ vom 4.April, 2020, auf (Auszug Zitat): „… hat offensichtlich auch die Privatwirtschaft ein Problem. Es kann ja wohl nicht sein, dass eine derart grosse Anzahl kleiner und mittlerer Unternehmen nach so kurzer Zeit (nach Beginn Shutdown, Anm. InterUrban) vor dem Ruin steht und beim Staat anklopfen muss… aber es kann und darf nicht sein, dass der Staat mit den Steuergeldern von uns allen geradesteht für Selbständige, die schlecht aufgestellt sind oder Schulden zu begleichen haben.»

In der NZZ vom 2. Mai, 2020 wird dieser Umstand bestätigt. Es wurde aufgezeigt, dass bei rund 50 Prozent der Betriebe aus dem Non-Food-Detailhandel, der Haar- und Gesichtspflege und der Therapie die finanziellen Reserven für einen vollen Monat ohne Einkommen nicht ausreichen. Bei Restaurants und Bars sind es 39%.

Die Corona-Krise hat die schon längst vorhandenen Schwächen der Geschäfte, Praxen und Betriebe mit Publikumsverkehr schonungslos aufgedeckt. Das müsste die Branchen- und Wirtschaftsverbände aufrütteln. Sie zählen auf eine Klientel, die zu grossenTeilen kaum existenzfähig ist und kaum über Zukunftsperspektiven verfügt. Dabei wäre genau das wichtig. Geschäfte mit Publikumsverkehr müssen attraktivere Geschäftsmodelle entwickeln. Sie müssen sich besser auf neue Märkte und Bedürfnisse ausrichten, stationär- und online-aktiv sein und neue lokale Wertschöpfungsnetzwerke entwickeln. Gemessen an den zurückliegenden Jahren muss die Wertschöpfung deutlich steigen.

Warum sollten Verbände nicht eine neue Rolle einnehmen? Verbände, die weiterhin im alten Muster als Interessensvertreter festhalten, werden zunehmend überflüssig. Der Markt verlangt nicht mehr danach, heute will er bedient werden. Die Rollen wandeln sich. Das einzig Messbare ist doch die Zukunftstauglichkeit der Verbandsmitglieder sowie eine hohe Branchenkompetenz. Weil diese ihren Standort zu grossen Teilen in urbanen Gebieten haben, sind auch diese davon betroffen.

Input 20-20: Corona – die Immobilien-Wirtschaft setzt Zeichen

„Das Parlament blamiert sich im Streit mit Mieten“, so lautet eine Schlagzeile in der NZZ vom 7. Mai 2020. Der National- und Ständerat fordert zwar rasche Hilfe für leidende Betriebe. Doch die 100’000 Leidenden, 60’000 davon haben ihren Standort in Zentrumsgebieten, sollen sich noch etwas gedulden. Die Sitzungsagenda des Parlaments gibt den Zeitplan vor. Erst im Juni soll es soweit sein.

Die Immobilien-Wirtschaft hat derweil längst Lösungen gefunden. 
Deren BranchenvertreterInnen erkennen die Notwendigkeit und reagieren mit einem Kostenerlass.Denn weder eine Stundung noch ein Kredit löst das Problem der Mieter. Das Parlament lässt sich Zeit, die Branche handelt. So erlässt die Swiss Prime Site Kleinbetrieben mit einer Jahresmiete von bis zu CHF 60’000.- die Miete für zwei Monate und übernimmt damit den Vorschlag des Verbands Immobilien Schweiz. Die Swiss Life gewährt Kleinbetrieben auf Gesuch hin den Mietzins temporär, Migros verzichtet auf die Hälfte des Mietzinses für zwei Monate. Die Städte Zürich und Basel-Stadt erlassen Geschäftsmieten gar ganz. Und das sind nur ein paar gute Beispiele. Viele Vermieter reagieren inzwischen nach ähnlichen Modellen. Ein zweckgebundener Kostenerlass wird von den Betroffenen hoch geschätzt und ist in jeder Hinsicht fair.

Es dürften sich aber noch viel mehr Vermieter an diesen Vorbildern orientieren. Jeder Fall habe seine eigene Geschichte, wird von gewissen Kreisen argumentiert (siehe IP20-19). Aber wenn 100’000 Geschäfte zu zwei Monaten Zwangsschliessung gezwungen werden, sollten eigentlich genügend Gemeinsamkeiten gegeben sein, die einen einheitlichen Verhaltens-Rahmen rechtfertigen. Das Modell des Verbands Schweizer Immobilien kann ausgedehnt werden. Unterschiedliche Kostenanteile Mieter/Vermieter für Jahresmieten zwischen CHF 60’000.-  und CHF 250 000.- wären ein guter Ansatz. Damit sind alle Geschäfte bis zu einem Umsatz von CHF 2 Millionen erfasst, das entspricht der grossen Mehrheit. Für den Rest bleiben individuelle Vereinbarungen.

Auch ohne Corona-Ereignis zeigte sich schon längst, dass sich die Rollen zwischen Vermietern und Mietern ändern müssen. Gemeinsam können und müssen sie die Aufwertung der Standortgebiete beeinflussen. Lösungen auf Marktveränderungen und Störung sollen sie gemeinsam und aufeinander abgestimmt entwickeln. Der Erfolg für ein gemeinsames Handeln liegt auf der Hand: Mieter erhöhen ihren Geschäftserfolg, Vermieter ihre Rendite.

Notwendig dafür ist eine Prozess-Steuerung. Man stelle sich vor, alle Besitzerschaften von Immobilien in urbanen Gebieten sind auf einer digitalen „Arbeits- und Management-Plattform“ vernetzt, erhalten zeitgleich den relevanten Wissenszugang und handeln abgestützt auf Fakten. Mit der neuen Form eines UrbanMangements wäre das heute bereits möglich. Dank dem Tool könnten, basierend auf Kooperation, bestmögliche Ergebnisse mit hohen Erträgen bei tiefen Koste erzielt werden. Bei den Mietern sind es die Umsätze, bei den Vermietern die Erträge, die Wertschöpfung steigt für beide. Nur eines bleibt tief, nämlich der Betrieb der digitalen Urban Management-Plattform (siehe Swiss-Engine, UrbanTools). 

Input 20-19: Corona fordert das Gastgewerbe heraus

Das Gastgewerbe mit seinen schweizweit rund 29’000 Betrieben und einem jährlichenUmsatz von CHF 24 Milliarden ist ein Schwergewicht der schweizerischen Binnenwirtschaft und prägt das gesellschaftliche Leben.

Viele der Gastrobetriebe sind in den Zentrumsgebieten der Städte und Gemeinden zu Hause. Immer mehr sind sie deren Attraktivitätspole, sie laden ein zum Essen, Trinken und Verweilen, sie sorgen für Belebung, sind Orte der spontanen Begegnung. Seit dem 16. März 2020 mussten sie geschlossen bleiben, am 11. Mai dürfen sie endlich wieder öffnen. Wie diese Öffnung erfolgen soll und wie sie ausgestaltet ist, wird sich zeigen. Dass sie nur schrittweise möglich ist, scheint ziemlich sicher zu sein. Was damit auf uns zukommt, ist offen und schwer planbar.

Für das Gastrogewerbe zeigt sich nach der Öffnung eine neue Realität: Die Nachfrage wird weniger sein, die Beschränkungen immens und der Kostendruck hoch. Von den Auswirkungen betroffen sind auch die Vermieter, der Bund und die Kommunen. Das Verhalten der Nachfrager, also der Gäste, wird ein anderes sein. Sie haben Respekt vor Ansteckung, meiden Gruppenbildungen, sind nicht in Genussstimmung und vermehrt sorgenvoll. Die Arbeitstätigen sind infolge von andauerndem Homeoffice öfters zu Hause, Geschäftsessen und Ereignisveranstaltungen werden seltener, Touristen kommen keine.

Die Beschränkungen verändern die betrieblichen Parameter. Tiefere Gästedichte erfordert ein neues Raumdispositiv und Raumambiente sowie angepasste Betriebszeiten. Das Angebot und damit die Küche, müssen sich darauf ausrichten. Die Hygieneanforderungen fordern Erklärungsbedarf beim Mitarbeiterstab und den Gästen. Die Aussenbereiche, heute zentimetergenau festgelegt, rufen nach flexiblen Nutzungsspielräumen.

Bereits in stabilen Zeiten ist der Kostendruck eine Herausforderung für jeden Gastrobetreiber. In Corona-Zeiten mit einer geringeren Gästezahl und einem steigenden Betriebsaufwand werden gesunde Finanzen nicht zu schaffen sein. Die Gastrobetriebewerden in dieser Anpassungszeit fast durchwegs Verluste einfahren und müssen sich zusätzlich um die Finanzierung kümmern, sofern es eine solche überhaupt gibt. Und wir wollen gar nicht daran denken, was sein wird, wenn sich zeigen sollte, dass sich eine gewisse Normalisierung oder Stabilisierung des Gastgewerbes erst im nächsten Frühjahr einstellen wird. Was also ist zu tun?

Die Management- und Betriebskompetenz vieler Gastrobetreiber wird nicht ausreichen, die vor ihnen liegenden Hürden zu meistern. Viele werden schliessen müssen, viele Kleinstbetriebe, und dazu zählt die Hälfte aller Betriebe, werden den Arbeitsaufwand steigern und die Löhne senken müssen, Viele andere werden hoffentlich überleben, weil ihre Geschäftskonzepte überzeugen und sie Finanzierungshilfen erhalten. Ein Teil der Lösung sind die Vermieter. Das Gastgewerbe in der Schweiz beansprucht in etwa eine Mietfläche für Gästeraume und Infrastruktur von sieben Millionen m2. Der Bund und die Kommunen müssten daran interessiert sein, dass sich die Verluste der Gastronomie in Grenzen halten. Solange die Gästezahl limitiert ist, werden sie monatlich auf eher mehr als weniger als einer Milliarde Schweizer Franken zu stehen kommen. Die Kommunen sind auch operativ gefordert. Die Gastrobetreiber werden viel improvisieren müssen, sowohl in betrieblicher Hinsicht als auch bezüglich Nutzung und Gestaltung der AussenräumeDie Schweizer Gastronomie ist gefordert: Das Gastrogewerbe, deren Branchenverbände, die Vermieter und die Kommunen.

Mit der SwissEngine arbeiten wir längst an einer digitalen Arbeits- und Management-Plattform. Vielleicht ist die Corona-Krise ein Ereignis das dazu beiträgt, diese neuen Formen der Zusammenarbeit weiter zu entwickeln als Antwort darauf, wie wir in Zeiten von Veränderungen handlungsfähig bleiben.

Input 20-18: Urbanität findet nicht mehr statt – Schadensbegrenzung in zwei Akten

Das hat es noch nie gegeben: Seit dem 16. März 2020 sind alle Geschäfte mit Publikumsverkehr geschlossen. Ein Grossteil hat seinen Standort in den Zentrumsgebiete unserer Städte und Gemeinden. Urbanität findet nicht mehr statt. Aber innert Tagesfristen hat der Bundesrat Kredite von CHF 40 Milliarden nicht nur bewilligt, sondern in beispielhafter Zusammenarbeit mit den Banken auch verteilt. Die Mittel sollen denjenigen zukommen, die zur Schliessung ihrer Geschäfte gezwungen sind. Eine überzeugende Leistung der obersten Entscheidungsebenen. Das war der erste Akt der Schadensbegrenzung. Der zweite folgt sogleich…

und dieser sieht ganz anders aus. Da stellen sich nämlich mehr Fragen als Antworten.

Dazu vier Beispiele:

1. Das Einkaufen, respektive das Angebot im Supermarkt: Verkauft werden dürfen Güter des täglichen Bedarfs. Was nun, wenn viele von uns im Homeoffice arbeiten müssen, gehören beispielsweise Druckerpatronen dazu? Und zählen jetzt, wo Frühling ist, Setzlinge dazu? Oder wie steht es um Damenstrümpfe, sind sie Wahl-oder Tagesbedarf?
2. Eine Sache mit grösster Tragweite sind die rund 100’000 Mietverhältnisse der momentan geschlossenen Geschäfte. Wer trägt den Schaden? Der Bund, die Vermieter oder die Mieter? Der Meinungsstreit darüber wird gar öffentlich ausgetragen. Geraten wird, das Gespräch und individuelle Lösungen zu suchen. Das bedeutet 100’000 Verhandlungen und ca. 200’000 Stunden an Verhandlungsaufwand. Wie genau stellt man sich das vor? Schätzungsweise 90% dieser Fälle werden ohne Ergebnis enden und versanden. Wie sehen konkrete Lösungen aus, wenn sich die Lockerungen der Corona-Massnahmen über einen längeren Zeitraum erstrecken oder gar zurückbuchstabiert werden müsste?
3. Was ist mit den der Corona-Krise nachgelagerten Verlierern? Sie dürfen ihre Geschäfte zwar öffnen, haben aber keine Kundschaft. Sie warten auf Finanzierungsstützen und auf Lösungen für die Mietkosten.
4. Ab dem 11. Mai, 2020 werden die Detailhandelsgeschäfte wieder öffnen dürfen. Eine Schlüsselrolle kommt der Bekleidungs-Branche zu. Es liegen Waren im Wert von CHF 2,4 Milliarden in den Geschäften. Sie hätten zu grossen Teilen im März und April verkauft werden sollen. Seit dem 16. März verlieren diese Warenbestände täglich an die CHF 24 Millionen an Wert. Wenn sie am 11. Mai wieder Kunden bedienen dürfen, werden diese hohe Rabatte erwarten und die Händler drängt der hohe Warendruck. Das ist keine guter Wiedereinstieg im Corona-Umfeld. Wenn die Geschäfte den Betrieb früher wieder hätten aufnehmen können, wäre ein kontrollierter Einstieg möglich gewesen. Es hätte keinen Ansturm ergeben. Zu gross ist die allgemeine Verunsicherung und die Angst vor einer Ansteckung mit COVID-19. Es fehlen die Kaufkraft und das Flaniererlebnis. Die Konsumstimmung ist erschreckend tief. Was gebraucht wird, bestellen die Kunden zunehmend online.

Gerade jetzt sind mehr denn je Menschen gefragt, die Lösungen differenziert, situationsgerecht, intelligent, flexibel, kreativ und mit gesundem Menschenverstand angehen. Dienst nach Vorschrift reicht bei Weitem nicht. Es braucht Menschen mit Verantwortungsgefühl und Eigeninitiative, deren Handeln immer darauf ausgerichtet ist, die Bedürfnisse von Gesellschaft und Wirtschaft zu bedienen.

Input 20-16: Verwaltung, Management und Kooperation – Die neue Herausforderung der Städte

Städte sind grossen Transformationsprozessen ausgesetzt. Global sind sie die grösseren Treiber als die Nationen. In der Schweiz stehen sie vor der Herausforderung, mit kleiner Masse eine hohe Anziehung zu erreichen. Gemessen an der Vergangenheit müssen sie verstärkt die sich wandelnden Bedürfnisse von Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt bedienen. Und sie müssen Digital affin werden. Gesamthaft erfordert das eine steigende Effizienz in allen Handlungsfeldern.
Dass Städte effizienter werden sollen, war bereits in den 80er Jahre des letzten Jahrhunderts bekannt. Neue Stadtphilosophien wurden gefordert, das Stadtmanagement ins Spiel gebracht. Angekommen ist die Botschaft nicht.
 
Aber jetzt soll alles anders werden. Die Notwendigkeit für Veränderungen ist zu offensichtlich. Und die Möglichkeit, Daten und Prozesse technologiebasiert zu gestalten, ist ein Teil der Lösung. Smart City, die Intelligente Stadt, wird offeriert. Sie ist das Label für die Zukunftsfähigkeit der Stadt. 
Smart City, ein Begriff und ein Wortspiel, das verunsichert. City ist aus globaler Sicht die Stadt. Im Schweizer Sprachgebrauch steht die City als Stadt-Zentrum. Die City von Zürich ist die Innenstadt, nicht die Stadt Zürich in ihrer Gesamtheit.
Smart steht für intelligent und meint damit die lernenden, technologiebasierten Systeme. Digitale Intelligenz schliesst den Menschen nicht aus. Sie verlangt ein intelligentes Handeln der gesamten Stadtgesellschaft.
Die smarte Stadt, deren digitale Welt, ist mehrschichtig. Das passt ganz und gar nicht mit der Realität überein. Denn Bund, Städte und Gemeinden sind strikt sach- und themenorientiert. Für ämterübergreifendes Handeln gibt es keinen Platz.
Die smarte Stadt zählt auf die Wirtschaft und die Gesellschaft. Sie sollen ihren Teil einbringen. Auch das passt nicht mit der Realität zusammen. Denn wir vertrauen immer noch auf Reglementierung und monetäre Anreize.
Die gelebte smarte City verlangt einen Strukturwandel. Verwalten genügt nicht mehr, entscheidend wird das Management von Prozessen und eine kooperative Haltung aller Akteure sein.
Das bedeutet einen Verhaltens-, Wissens- und Kulturwandel von ungeahnter Tragweite. Dieser Wandel ist die grosse Schweizer Herausforderung. Der Kunstbegriff Smart City ist wie ein Überraschungs-Ei: Man weiss nicht, was dabei herauskommt.