Input 20-22: Corona-Schuldenabbau – Handlungsfeld für die Politik?

Die zwei Monate Lockdown aufgrund des Corona-Virus und die Folgen daraus werden der Schweiz rund CHF 100 Milliarden an Kosten verursachen. Dies unter der Voraussetzung, alles läuft in heute angenommenen Bahnen. Wenn die Schweiz diese Schulden nun durch mit Arbeit verdientem Geld abtragen will und nicht über Steuern, Gebühren- und Prämienerhöhungen, die SNB oder Finanzierungsumlagerung, was hiesse das dann? Und was bedeutet die unglaubliche Summe von 100 Milliarden Schweizer Franken, wie ist sie einzuordnen? Werfen wir einmal einen Blick auf die Umsatzzahlen des gesamten Detailhandels und die Gastronomie der Schweiz. Das sind rund 65’000 Geschäfte und Betriebe. Im Spitzenjahr 2015 erzielten sie einen Umsatz von rund CHF 120 Milliarden, der Gewinn betrug ca. 3,5 Milliarden. 

Das heisst, dass demnach der gesamte Gewinn dieses Spitzenjahres über 30 Jahre lang erzielt werden müsste, um die durch den Corona-Lockdown verursachten Schulden abzutragen.

Diese 100 Milliarden sind, selbst gemessen an der Finanzpotenz der Schweiz, beispiellos viel. Und sie wurden in beispiellose kurzer Zeit ohne irgendwelchen Widerspruch freigegeben. Die dafür Zuständigen werden sich dafür nicht verantworten müssen, sie haben Geld verteilt, das ihnen nicht gehört und das sie nicht selber verdienen mussten. Aber sie können sich einbringen wenn es darum geht, die Zukunft zu meistern.

Der Lockdown hat viele Branchen zum völligen Stillstand gebracht. Dazu gehört der Detailhandel, das Gastgewerbe, die Stadt-Hotellerie, die persönlichen Dienste, Kultur und Veranstaltungen. Sie alle sind ein gewichtiger Teil des Schweizer Binnenmarktes. Ein grosser Teil davon hat ihren Standort in urbanen Gebieten. Das sind vorwiegend die Zentrums- und Altstadtgebiete, Stadtteile, Ortskerne. Die urbanen Gebiete müssen schnell einen Prosperitätszuwachs erreichen, der höher liegt als zuvor. Nur wenn sie reüssieren, wird sich die Schweiz wirtschaftlich erholen. Und nur dann steigt der Wohlstand für grosse Teile der Bevölkerung.

Die urbanen Gebiete reüssieren, wenn ihre Erfolgsfaktoren zum Tragen kommen. Das ist die neue Nutzungsvielfalt mit hoher Wertschöpfung, die steigende Aufenthalts- und Bewegungsintensität, eine hohe Ressourcen- und Kosteneffizienz und eine effiziente Gebietsinfrastruktur. Zudem muss eine Klima- und Naturverträglichkeit gegeben sein. Weiter notwendig ist eine hohe Veränderungsfähigkeit, um gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedürfnisse zu bedienen und störenden Ereignissen zu begegnen. Geräte, Bauten und Anlagen sind vernetzt, die Daten das lokale Gut. Die Akteure sind in die Prozesse eingebunden.

Das ist geradezu eine Offerte für die Programme und Handlungsfelder der Parteien, der öffentlichen Verwaltungen aller Ebenen, der Wirtschaftsverbände sowie der privaten und öffentlichen Wirtschaft.

Die urbane Wirtschaft ist zusätzlich gefordert. Als erstes gilt es die Geschäftsaufgaben zu verkraften und dann neue Geschäftsmodelle mit Zukunftsperspektiven zu entwickeln. Erst dann kann ein Schuldenabbau einsetzen. Aber das braucht einen langen Atem. Dabei sind alle dazu aufgerufen, mitzutun.       

Input 20-19: Corona fordert das Gastgewerbe heraus

Das Gastgewerbe mit seinen schweizweit rund 29’000 Betrieben und einem jährlichenUmsatz von CHF 24 Milliarden ist ein Schwergewicht der schweizerischen Binnenwirtschaft und prägt das gesellschaftliche Leben.

Viele der Gastrobetriebe sind in den Zentrumsgebieten der Städte und Gemeinden zu Hause. Immer mehr sind sie deren Attraktivitätspole, sie laden ein zum Essen, Trinken und Verweilen, sie sorgen für Belebung, sind Orte der spontanen Begegnung. Seit dem 16. März 2020 mussten sie geschlossen bleiben, am 11. Mai dürfen sie endlich wieder öffnen. Wie diese Öffnung erfolgen soll und wie sie ausgestaltet ist, wird sich zeigen. Dass sie nur schrittweise möglich ist, scheint ziemlich sicher zu sein. Was damit auf uns zukommt, ist offen und schwer planbar.

Für das Gastrogewerbe zeigt sich nach der Öffnung eine neue Realität: Die Nachfrage wird weniger sein, die Beschränkungen immens und der Kostendruck hoch. Von den Auswirkungen betroffen sind auch die Vermieter, der Bund und die Kommunen. Das Verhalten der Nachfrager, also der Gäste, wird ein anderes sein. Sie haben Respekt vor Ansteckung, meiden Gruppenbildungen, sind nicht in Genussstimmung und vermehrt sorgenvoll. Die Arbeitstätigen sind infolge von andauerndem Homeoffice öfters zu Hause, Geschäftsessen und Ereignisveranstaltungen werden seltener, Touristen kommen keine.

Die Beschränkungen verändern die betrieblichen Parameter. Tiefere Gästedichte erfordert ein neues Raumdispositiv und Raumambiente sowie angepasste Betriebszeiten. Das Angebot und damit die Küche, müssen sich darauf ausrichten. Die Hygieneanforderungen fordern Erklärungsbedarf beim Mitarbeiterstab und den Gästen. Die Aussenbereiche, heute zentimetergenau festgelegt, rufen nach flexiblen Nutzungsspielräumen.

Bereits in stabilen Zeiten ist der Kostendruck eine Herausforderung für jeden Gastrobetreiber. In Corona-Zeiten mit einer geringeren Gästezahl und einem steigenden Betriebsaufwand werden gesunde Finanzen nicht zu schaffen sein. Die Gastrobetriebewerden in dieser Anpassungszeit fast durchwegs Verluste einfahren und müssen sich zusätzlich um die Finanzierung kümmern, sofern es eine solche überhaupt gibt. Und wir wollen gar nicht daran denken, was sein wird, wenn sich zeigen sollte, dass sich eine gewisse Normalisierung oder Stabilisierung des Gastgewerbes erst im nächsten Frühjahr einstellen wird. Was also ist zu tun?

Die Management- und Betriebskompetenz vieler Gastrobetreiber wird nicht ausreichen, die vor ihnen liegenden Hürden zu meistern. Viele werden schliessen müssen, viele Kleinstbetriebe, und dazu zählt die Hälfte aller Betriebe, werden den Arbeitsaufwand steigern und die Löhne senken müssen, Viele andere werden hoffentlich überleben, weil ihre Geschäftskonzepte überzeugen und sie Finanzierungshilfen erhalten. Ein Teil der Lösung sind die Vermieter. Das Gastgewerbe in der Schweiz beansprucht in etwa eine Mietfläche für Gästeraume und Infrastruktur von sieben Millionen m2. Der Bund und die Kommunen müssten daran interessiert sein, dass sich die Verluste der Gastronomie in Grenzen halten. Solange die Gästezahl limitiert ist, werden sie monatlich auf eher mehr als weniger als einer Milliarde Schweizer Franken zu stehen kommen. Die Kommunen sind auch operativ gefordert. Die Gastrobetreiber werden viel improvisieren müssen, sowohl in betrieblicher Hinsicht als auch bezüglich Nutzung und Gestaltung der AussenräumeDie Schweizer Gastronomie ist gefordert: Das Gastrogewerbe, deren Branchenverbände, die Vermieter und die Kommunen.

Mit der SwissEngine arbeiten wir längst an einer digitalen Arbeits- und Management-Plattform. Vielleicht ist die Corona-Krise ein Ereignis das dazu beiträgt, diese neuen Formen der Zusammenarbeit weiter zu entwickeln als Antwort darauf, wie wir in Zeiten von Veränderungen handlungsfähig bleiben.

Input 20-18: Urbanität findet nicht mehr statt – Schadensbegrenzung in zwei Akten

Das hat es noch nie gegeben: Seit dem 16. März 2020 sind alle Geschäfte mit Publikumsverkehr geschlossen. Ein Grossteil hat seinen Standort in den Zentrumsgebiete unserer Städte und Gemeinden. Urbanität findet nicht mehr statt. Aber innert Tagesfristen hat der Bundesrat Kredite von CHF 40 Milliarden nicht nur bewilligt, sondern in beispielhafter Zusammenarbeit mit den Banken auch verteilt. Die Mittel sollen denjenigen zukommen, die zur Schliessung ihrer Geschäfte gezwungen sind. Eine überzeugende Leistung der obersten Entscheidungsebenen. Das war der erste Akt der Schadensbegrenzung. Der zweite folgt sogleich…

und dieser sieht ganz anders aus. Da stellen sich nämlich mehr Fragen als Antworten.

Dazu vier Beispiele:

1. Das Einkaufen, respektive das Angebot im Supermarkt: Verkauft werden dürfen Güter des täglichen Bedarfs. Was nun, wenn viele von uns im Homeoffice arbeiten müssen, gehören beispielsweise Druckerpatronen dazu? Und zählen jetzt, wo Frühling ist, Setzlinge dazu? Oder wie steht es um Damenstrümpfe, sind sie Wahl-oder Tagesbedarf?
2. Eine Sache mit grösster Tragweite sind die rund 100’000 Mietverhältnisse der momentan geschlossenen Geschäfte. Wer trägt den Schaden? Der Bund, die Vermieter oder die Mieter? Der Meinungsstreit darüber wird gar öffentlich ausgetragen. Geraten wird, das Gespräch und individuelle Lösungen zu suchen. Das bedeutet 100’000 Verhandlungen und ca. 200’000 Stunden an Verhandlungsaufwand. Wie genau stellt man sich das vor? Schätzungsweise 90% dieser Fälle werden ohne Ergebnis enden und versanden. Wie sehen konkrete Lösungen aus, wenn sich die Lockerungen der Corona-Massnahmen über einen längeren Zeitraum erstrecken oder gar zurückbuchstabiert werden müsste?
3. Was ist mit den der Corona-Krise nachgelagerten Verlierern? Sie dürfen ihre Geschäfte zwar öffnen, haben aber keine Kundschaft. Sie warten auf Finanzierungsstützen und auf Lösungen für die Mietkosten.
4. Ab dem 11. Mai, 2020 werden die Detailhandelsgeschäfte wieder öffnen dürfen. Eine Schlüsselrolle kommt der Bekleidungs-Branche zu. Es liegen Waren im Wert von CHF 2,4 Milliarden in den Geschäften. Sie hätten zu grossen Teilen im März und April verkauft werden sollen. Seit dem 16. März verlieren diese Warenbestände täglich an die CHF 24 Millionen an Wert. Wenn sie am 11. Mai wieder Kunden bedienen dürfen, werden diese hohe Rabatte erwarten und die Händler drängt der hohe Warendruck. Das ist keine guter Wiedereinstieg im Corona-Umfeld. Wenn die Geschäfte den Betrieb früher wieder hätten aufnehmen können, wäre ein kontrollierter Einstieg möglich gewesen. Es hätte keinen Ansturm ergeben. Zu gross ist die allgemeine Verunsicherung und die Angst vor einer Ansteckung mit COVID-19. Es fehlen die Kaufkraft und das Flaniererlebnis. Die Konsumstimmung ist erschreckend tief. Was gebraucht wird, bestellen die Kunden zunehmend online.

Gerade jetzt sind mehr denn je Menschen gefragt, die Lösungen differenziert, situationsgerecht, intelligent, flexibel, kreativ und mit gesundem Menschenverstand angehen. Dienst nach Vorschrift reicht bei Weitem nicht. Es braucht Menschen mit Verantwortungsgefühl und Eigeninitiative, deren Handeln immer darauf ausgerichtet ist, die Bedürfnisse von Gesellschaft und Wirtschaft zu bedienen.

Input 19-13: Dem Warenhaus Globus fehlt der Markt

Die Beiträge der letzten Input-Letters haben gezeigt, dass nur rund zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung kaum frei verfügbare Konsumausgaben zur Verfügung hat.

Man könnte meinen, das sei der Grund dafür, dass das im höheren Preisniveau angesiedelte Warenhaus Globus seine Wirtschaftlichkeit verloren hat. Doch diese Schlussfolgerung ist zu vorschnell. Denn es gibt sie nämlich auch, die Haushalte mit genügend frei verfügbaren Mitteln. Rund 25 Prozent gehören zu dieser Gruppe. Sie sind das primäre Kundenpotential von Globus.

Und dieses müsste eigentlich ausreichen, um die notwendigen Umsätze zu erreichen. Globus hat mit seinem Warenhaus in der Schweiz lediglich einen Verkaufsflächenanteil von 0,6 Prozent. Mit 0,8 Prozent ist der Umsatzanteil nur geringfügig höher.

Somit übersteigt das Kundenpotential den getätigten Umsatz um Längen. Allein aus dieser Sicht müssten die Umsatz-Erwartungen von Globus eigentlich erfüllt werden.

Weitere Umstände sprechen für einen möglichen Erfolg des Warenhauses Globus. Die wichtigen Megatrends Urbanisierung, Alterung und Tourismus kommen ihm entgegen. Mit 14 Standorten, viele an Innenstadt-Bestlagen, können diese Trends bedient werden. Weiter garantieren die Standorte hohe Frequenzen. Sie ermöglichen auch Animier- und Spontankäufe. Und dann ist Globus DAS beliebte Geschenkhaus.

Sicher, Warenhäuser sind weltweit auf dem Rückzug. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Aber für Globus wäre der Markt noch vorhanden. Diesen zu gewinnen, das ist die grosse Herausforderung.

Zu den grossen Herausforderungen zählen sicher die gestiegenen, personellen Anforderungen. In der Führungsebene sind unterschiedliche Kompetenzen erforderlich. Eine Person genügt nicht mehr. Das Kundenmanagement bis hin zum Kundenkontakt ist höchst anspruchsvoll

Die erforderlichen personellen Qualitäten und Kompetenzen, vor allem auf den Führungsebenen, sind in der Schweiz nur schwer zu finden. Dafür ist die Schweiz zu klein und die beruflichen Perspektiven sind zu gering. Das ist wie im Fussball. Ist eine Trainerposition zu besetzen hat eine Mannschaft in der Champion league andere Bewerberprofile als ein Fussball-Club auf regionaler Ebene. Heute sind kreative, innovative und persönlichkeitsstarke, auf die Kundenbedürfnisse ausgerichtete Menschen mit IT-Affinität und Perspektiven gefragt. Seriöses Mittelmass reicht längst nicht mehr.

Eine weitere grosse Herausforderung sind warenhaustaugliche Bautypologien mit der notwendigen Fläche an urbansten Standorten. Es fehlen die Urbanisten unter den Architekten.

Jetzt liegt es an den Kunden, also an Ihnen! Im Globus finden Sie eine Fülle von Geschenkideen für alle. Es bleibt sehr zu hoffen, dass es nicht zum letzten Mal möglich ist, Weihnachtsgeschenke im Globus zu kaufen. Die Schweiz und insbesondere die Innenstädte brauchen Globus. Auch wenn aus heutiger Sicht einiges gegen den Warenhaustypus spricht, überlebt ist das Warenhaus noch lange nicht. Totgeglaubte leben schliesslich länger!

Wer weiss, vielleicht zeigen sich demnächst völlig neue Perspektiven. Zu hoffen wäre es.

Wir wünschen Ihnen eine geruhsame Weihnachtszeit und ein schönes neues Jahr!

Input 19-06: Mietpreissteigerungen im Detailhandel sind kein Selbstläufer mehr

Das Immobiliengeschäft in Zentrumslagen der letzten Jahrzehnte war geprägt von einem grossen Wertzuwachs der Standorte. Zumindest im Bereich Detailhandel ändert sich das rapide. Der Verkauf erfordert zwei Angebotskanäle, nämlich einen Stationär und einen Online. Folge: Die Kosten steigen aber der Umsatz bleibt gleich. Was liegt also näher, als die Stationär-Miete zu hinterfragen?

Input 19-01: Die Schliessung von Geschäften minimieren

Der Einmaligkeitsvorteil der Zentrumsgebiete ist die Nutzungsvielfalt. Die stationär vorhandenen Non-Food-Versorgungsangebote tragen wesentlich dazu bei. Seit 2015 wissen wir, dass ihre Präsenz sinkt. Gemessen an der Verkaufsfläche um 30% bis 2020.

Input: Gefordert ist Handeln mit höchster Dringlichkeit. Für die Zentrumsgebiete von Städten und Gemeinden gibt es jetzt nur noch eine Stossrichtung: Ein Angebotsmanagement muss dafür sorgen, dass sich der Rückzug an Verkaufsflächen in Grenzen hält.